Biblische Anthropologie im kanonischen Diskurs
Neue hermeneutische Perspektiven auf das biblische Menschenbild
Die Frage danach, was den Menschen ausmacht, ist keineswegs neu. In jüngster Zeit gewinnt sie jedoch im Kontext unterschiedlicher öffentlicher Debatten an neuer Schärfe und Dringlichkeit. Die biblischen Vorstellungen vom Menschen sind dabei weder thematisch stringend noch ergeben sie ein einheitliches Gesamtbild.
Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament finden sich vielstimmige Antworten auf die Frage nach dem Wesen des Menschseins. Das vorliegende Projekt untersucht Kontinuitäten und Diskontinuitäten im biblischen Diskurs über Anthropologie. Ohne ein fundamentalistisches Schriftverständnis zu vertreten, verortet es die Grundlagen eines christlichen Menschenbildes in der biblischen Anthropologie.
Die anthropologischen Aussagen der Bibel bilden einen normativen Rahmen, ein Koordinatensystem, innerhalb dessen eine christliche Position zum Menschsein zu verorten ist. Anknüpfend an die von E. Zenger entwickelte christlich-jüdische Hermeneutik kanonischer Diskursivität wird ein kanonischer Dialog anhand anthropologischer Themen wie Geschöpflichkeit, Geschlecht, Körper, Emotionen, Kult, Persönlichkeit oder Tod geführt. Dieser Dialog negiert weder die Vielfalt noch die Vielstimmigkeit und teilweise auch Spannungen zwischen Altem und Neuem Testament, sondern entwickelt eine komplementäre und diskursive biblische Anthropologie, die in der theologischen Einheit der Testamente gründet.
Die verschiedenen biblischen Stimmen werden dabei als wertvolle Beiträge und „rettende Übersetzungen“ zu jener Frage verstanden, die keine einzelne Disziplin für sich allein beantworten kann: Was ist der Mensch?
Dieses Projekt wird vom FWF und vom FWO gefördert.